· Wirtschaftlichkeit

Warum EKZ-Strom im Winter teurer ist – und was das für Ihre Solaranlage bedeutet

Seit 2026 sehen EKZ-Kunden im Tarifblatt etwas, das sonst keiner ihrer Tarife zeigt: einen saisonalen Aufschlag. Wer im Januar Strom bezieht, zahlt 14.38 Rp./kWh für die Energie, im Juli nur 9.73 Rp./kWh — eine Differenz von rund 48 %. Diese Saisonalität betrifft ausschliesslich das Produkt «EKZ Energie Erneuerbar». Das Netznutzungsentgelt (8.59 Rp./kWh im Standardtarif 400ST) bleibt das ganze Jahr gleich. Warum gerade die erneuerbare Energie diesen Winterzuschlag hat — und was das für ein Haus mit eigener PV-Anlage heisst.

Erneuerbar ist saisonal, weil die Erzeugung saisonal ist

EKZ liefert in der Grundversorgung seit Jahren ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Quellen, mehrheitlich Schweizer Wasserkraft. Genau dieser Mix ist aber von Natur aus jahreszeitlich verschoben:

  • Photovoltaik liefert in den sechs Sommermonaten rund 75 % ihres Jahresertrags, im Winterhalbjahr nur 25 %. An kurzen, bedeckten Dezembertagen erntet eine Anlage zwischen Stadlerberg und Pfannenstiel im Schnitt unter 10 % ihrer Sommer-Tagesleistung.
  • Wasserkraft ist gemischter: Speicherwerke werden gezielt für den Winter zurückgehalten und füllen einen Teil der Lücke. Laufwasserwerke (rund die Hälfte der Schweizer Wasserkraft) liefern im Winter dagegen deutlich weniger, weil die Flusspegel niedriger sind.
  • Wind spielt in der Schweiz mengenmässig keine grosse Rolle.

Netto bleibt jedes Jahr eine Winterstromlücke, die EKZ am Markt nachbeschaffen muss — und dort sind im Winter auch Deutschland und Frankreich teurer Käufer, weil sie zur gleichen Zeit ihre eigene Heizlast decken. Diese Beschaffungskosten landen direkt im Energietarif. Beim Netz dagegen entstehen die Kosten unabhängig von der Jahreszeit (Leitungen, Trafos, Wartung), darum bleibt der Netztarif konstant.

Andere Anbieter ohne 100-%-Erneuerbar-Verpflichtung können die Winterlücke mit billigerem Importstrom oder fossilem Strom verdecken — sie haben deshalb oft einen flacheren Jahresverlauf. EKZ macht die saisonale Realität sichtbar, weil das Produkt sie eben ist.

Was das für ein Eigenheim mit Solaranlage bedeutet

Für PV-Besitzer entsteht eine unangenehme doppelte Asymmetrie:

Sommer

PV-Eigenproduktion
sehr hoch (Überschuss)
Bezugspreis Energie
9.73 Rp./kWh
Einspeisevergütung
Q2 typisch tief (~3–6 Rp./kWh)

Winter

PV-Eigenproduktion
sehr tief
Bezugspreis Energie
14.38 Rp./kWh
Einspeisevergütung
Q1 höher (~10 Rp./kWh) — aber kaum Mengen, weil wenig produziert wird

Sommer-Überschuss wird also genau dann ins Netz gegeben, wenn er am wenigsten wert ist. Wintereinspeisung wäre wertvoller, fällt aber kaum an. Wer im Winter Strom braucht, kauft ihn zum Premiumpreis ein — ausgerechnet dann, wenn das eigene Dach am wenigsten liefert.

Die Hebel — und ihre Grenzen

  1. Eigenverbrauchsoptimierung (Solar Manager und vergleichbare Systeme): verschiebt Warmwasserboiler, Wärmepumpe und Wallbox in die Sonnenstunden. Wirkungsstark im Sommer, im Winter limitiert — die produzierte Menge ist schlicht zu klein, um etwas zu verschieben.
  2. Tagesspeicher (Lithium-Batterie 5–15 kWh): verlängert den Sonnentag in die Abendstunden. Im Sommer hebt das den Eigenverbrauch auf 60–80 %. Im Winter oft nutzlos, weil die Tagesproduktion bereits unter dem Tagesverbrauch liegt — der Speicher bleibt leer.
  3. Wintertaugliche PV-Auslegung: steile Modulneigung (60–70°), Ost-West-Belegung, Fassaden-PV. Verschiebt einen kleinen Teil des Ertrags vom Sommer- ins Winterhalbjahr — physikalische Grenzen bleiben.
  4. Pragmatische Akzeptanz: ein Teil Netzbezug im Winter bleibt für die meisten Haushalte die rationalste Lösung. Wichtig ist dann, dass das Beschaffungsprofil bewusst gewählt wird (Erneuerbar mit Saisonpreis ist ehrlich kalkuliert; Dynamisch kann interessant werden, wenn flexible Verbraucher vorhanden sind).

Was bleibt

Der Winter-Aufschlag bei EKZ Erneuerbar ist nicht willkürlich — er bildet ab, was es kostet, im Januar erneuerbaren Strom zu liefern. Für Hausbesitzer ist er ein klares Preissignal: jede kWh Winterstrom, die Sie selber machen, ist heute rund 4–5 Rp. mehr wert als jede kWh Sommerstrom. Wie weit Sie für diese Differenz gehen — Eigenverbrauchsoptimierung, Speicher, oder Saisonspeicher — beantwortet eine konkrete Wirtschaftlichkeitsrechnung mit Ihren Tarifen und Verbrauchsdaten. Genau dafür gibt es unseren Solar-Batterie-Rechner und unsere persönliche Beratung.

Quellen

  • EKZ-Tarifsammlung 2026 (gültig ab 1. Januar 2026): Energiepreis EKZ Energie Erneuerbar Q1/Q4 = 14.38 Rp./kWh, Q2/Q3 = 9.73 Rp./kWh; Netzprodukt 400ST = 8.59 Rp./kWh. ekz-tarifsammlung-2026.pdf
  • EKZ Rückliefertarife 2026: Basisvergütung = vierteljährlicher Referenz-Marktpreis BFE, HKN-Zuschlag bis 3.00 Rp./kWh, gesetzliche Minimalvergütung 6.00 Rp./kWh für PV < 30 kW (Art. 12 Abs. 1 EnV). ekz-rueckliefertarife-2026.pdf
  • BFE Referenz-Marktpreis Photovoltaik Q1 2026 = 10.27 Rp./kWh. BFE-Publikation 11515; opendata.swiss.
  • Wasserkraftnutzung Schweiz, Stand 31.12.2024: 48.4 % Laufwasserkraftwerke, 47.5 % Speicher, 4.1 % Pumpspeicher. BFE Stand der Wasserkraftnutzung 2024.
  • PV-Saisonalität Schweiz: mittlere Globalstrahlung Sommerhalbjahr ~845 kWh/m², Winterhalbjahr ~237 kWh/m² (Verhältnis ≈ 78 : 22). EKZ Blue — Solarenergie im Winter.

Wie viel bringt PV plus Speicher bei Ihrer Liegenschaft?

Stündliche Simulation über 8'760 Stunden mit Ihrer Postleitzahl, Ihren Tarifen und Ihrem Verbrauchsprofil.

Solar-Batterie-Rechner öffnen